Gedanken über die China-Reise: Shanghai, Alipay, DiDi und Alltag per Smartphone

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Shanghai, Smartphone und Reise-Apps als Symbolbild Shanghai funktioniert heute fast komplett über das Smartphone. Wer vorbereitet ankommt, hat deutlich weniger Stress.

TL;DR

China funktioniert für Reisende erstaunlich reibungslos, wenn die wichtigsten Apps vor der Ankunft eingerichtet sind. Alipay, WeChat und DiDi sollten inklusive Zahlungsdaten schon zu Hause funktionieren. Bargeld spielt praktisch keine Rolle mehr, ohne Alipay wird dagegen vieles schwierig: Taxi, Restaurantbestellung, Bezahlung, Metro und Übersetzung hängen oft direkt daran. Eine eSIM ist ebenfalls Pflichtgefühl, idealerweise mit funktionierendem Zugriff auf Google, WhatsApp und Co. Shanghai selbst wirkt im Vergleich zu früher nochmals digitaler, elektrischer und stärker von chinesischen Marken geprägt. Beeindruckend, effizient, manchmal aber auch erstaunlich kontaktarm.

Ich habe meine Gedanken zur China-Reise einmal sortiert. Nicht als vollständigen Reiseführer, eher als Erfahrungsbericht aus der Kategorie: Was funktioniert wirklich, worauf sollte man vorbereitet sein und was hat mich überrascht?

Der kurze Vorweg-Satz wäre: Ohne Smartphone geht in China fast nichts mehr. Mit gut vorbereitetem Smartphone geht dagegen erstaunlich viel erstaunlich einfach.


Ankunft in Shanghai: Vorbereitung entscheidet

Die Ankunft in Shanghai war komplett unproblematisch. Der wichtigste Grund dafür war nicht Glück, sondern Vorbereitung.

Ich hatte vor der Reise bereits installiert und eingerichtet:

  • DiDi für Taxi und Fahrdienste
  • Alipay für Bezahlung, Mini-Apps, Nahverkehr und vieles mehr
  • WeChat als Kommunikations- und Alltags-App
  • gültige Zahlungsdaten in den Apps
  • eine eSIM
  • VPN als Fallback

Gerade die Zahlungsdaten sind entscheidend. Die Apps nur installiert zu haben, reicht nicht. Sie müssen wirklich funktionieren, bevor man vor Ort steht und müde am Flughafen versucht, ein Taxi zu bestellen oder im Restaurant zu bezahlen.

Meine eSIM habe ich über die Alipay-App besorgt. Alternativen gibt es natürlich auch, zum Beispiel Firsty oder andere eSIM-Anbieter. Wichtig ist weniger der konkrete Anbieter als die Tatsache, dass mobile Daten direkt nach der Landung funktionieren.


Vom Flughafen ins Hotel: DiDi statt Diskussion

Nach der Ankunft ging es mit DiDi ins Hotel. App öffnen, Ziel eingeben, Fahrzeug bestellen, bezahlen. Fertig.

Das ist gerade dann angenehm, wenn man nach einem langen Flug keine Lust auf Sprachbarrieren, Bargeldsuche oder Tarifdiskussionen hat. Der Ablauf ist klar und vergleichbar mit anderen Ride-Hailing-Diensten, nur eben eingebettet in das chinesische App-Ökosystem.

Danach: einchecken, schlafen. Sehr unterschätzter Teil jeder Dienstreise.


Reise-Router, VPN und eSIM: Theorie und Praxis

Ich hatte mir vorher noch einen Reise-Router eingerichtet. Die Idee war gut: eigene kleine Netzwerkumgebung, mehrere Geräte dahinter, VPN sauber zentralisiert.

In der Praxis habe ich ihn vor Ort nicht zum Laufen bekommen.

Am Ende musste ich mit dem bereits auf dem Handy eingerichteten VPN vorliebnehmen. Das war nicht perfekt, aber ausreichend. Interessant war allerdings: Mit der eSIM funktionierten wichtige Dinge wie WhatsApp und Google ohnehin frei beziehungsweise zumindest so, als hätte der eSIM-Anbieter bereits irgendeine Art Routing oder integrierte Umgehung eingebaut.

Das ist ein Punkt, den man nicht blind voraussetzen sollte. Je nach Anbieter kann das anders aussehen. Für mich war es aber ein deutlicher Stressreduzierer.

Meine Empfehlung nach dieser Reise:

  • eSIM vorab kaufen und testen, soweit möglich
  • VPN vorher einrichten, nicht erst im Hotel
  • Reise-Router nur als Bonus betrachten
  • nicht darauf verlassen, dass vor Ort noch schnell alles eingerichtet werden kann

Wer den technischen Unterbau dazu lesen möchte: Den konkreten Aufbau habe ich im Artikel Eigenes Reise-VPN mit WireGuard, OpenVPN, GL.iNet Router und Hetzner VPS beschrieben.


Ohne Alipay geht fast nichts

Bargeld habe ich praktisch nicht gebraucht.

Alipay dagegen war essenziell.

Die App ist nicht einfach nur eine Bezahl-App. Sie ist eher eine Art Betriebssystem für den Alltag. Darüber laufen unter anderem:

  • Bezahlen im Geschäft
  • Restaurantbestellungen
  • Taxi über DiDi als eingebettete Mini-App
  • öffentlicher Nahverkehr
  • Metro-Tickets beziehungsweise Metro-Zugang
  • Übersetzung von Bestellseiten
  • viele kleine Dienste innerhalb sogenannter Mini-Apps

Besonders deutlich wird das im Restaurant. Man scannt einen QR-Code am Tisch und landet auf einer Bestellseite. Diese läuft häufig direkt innerhalb von Alipay oder WeChat.

Ohne funktionierende App wird aus „mal eben essen gehen“ schnell ein kleines Projekt.


Die eingebaute Übersetzung ist Gold wert

Ein großer Vorteil von Alipay war die integrierte Übersetzungsfunktion.

Wenn man in einem Restaurant den Code auf dem Tisch scannt und auf der Bestellseite landet, kann Alipay diese Seite automatisch übersetzen. Das ist nicht immer literarisch schön, aber für den Alltag reicht es völlig.

Man versteht, was man bestellt. Man erkennt Kategorien. Man vermeidet die gröbsten Überraschungen.

Gerade bei kurzen Aufenthalten ist das extrem hilfreich, weil man nicht jedes Mal zwischen Kamera, Browser, Übersetzungs-App und Bestellseite hin und her springen muss.


Shanghai in vier Stunden: viel verändert

Ich hatte noch etwa vier Stunden Zeit für Sightseeing in Shanghai.

Dabei fiel mir besonders auf, wie stark sich die Stadt in den letzten zehn Jahren verändert hat. Shanghai war schon vorher beeindruckend, aber heute wirkt vieles nochmals digitaler, glatter und stärker durchorganisiert.

Am auffälligsten war für mich der Verkehr.

Die Menge an E-Autos auf den Straßen ist enorm. Noch auffälliger: Wie wenige nicht-chinesische Marken man im Straßenbild sieht. Mein Eindruck war, dass chinesische Marken dort inzwischen vielleicht 80 bis 90 Prozent des sichtbaren Straßenverkehrs ausmachen.

Das ist natürlich keine wissenschaftliche Zählung, sondern ein Eindruck von vor Ort. Aber dieser Eindruck war deutlich.

China wirkt in diesem Bereich nicht mehr wie ein Markt, der westlichen Marken hinterherläuft. Eher wie ein Markt, der längst seine eigene Dynamik hat.


Essen: effizient, digital, kontaktarm

Essen war teilweise in Malls, teilweise in Restaurants. Der Ablauf war am Ende fast immer ähnlich:

  1. QR-Code am Tisch scannen
  2. digitale Speisekarte öffnen
  3. übersetzen lassen
  4. bestellen
  5. per App bezahlen
  6. Essen kommt

Was auffällt: Es gibt möglichst wenig Kommunikation und möglichst wenig zwischenmenschliche Reibung im Ablauf.

Das kann sehr angenehm sein. Gerade wenn man müde ist, die Sprache nicht spricht oder einfach schnell etwas essen möchte.

Gleichzeitig fühlt es sich manchmal auch distanziert an. Ob das noch eine Folge von Corona ist, ob es schlicht Effizienz ist oder ob diese Entwicklung ohnehin gekommen wäre, kann ich nicht beurteilen. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem.

Aber der Unterschied zu vielen europäischen Restaurantbesuchen ist deutlich.


Was ich beim nächsten Mal genauso machen würde

Folgende Dinge würde ich wieder vor der Reise erledigen:

  • Alipay vollständig einrichten
  • WeChat vollständig einrichten
  • DiDi testen
  • Zahlungsdaten hinterlegen
  • eSIM vorab organisieren
  • VPN vorab konfigurieren
  • wichtige Hotel- und Zieladressen zusätzlich offline speichern
  • Reisepassdaten griffbereit haben, weil sie in Apps und Hotels immer wieder gebraucht werden können

Gerade bei China gilt: Die Vorbereitung ist nicht optionaler Komfort, sondern Teil der Reiseinfrastruktur.


Was ich anders machen würde

Den Reise-Router würde ich zwar wieder mitnehmen, aber nicht mehr als zentrale Voraussetzung betrachten.

Wenn er funktioniert: schön.

Wenn nicht: Das Handy muss allein arbeitsfähig bleiben.

Außerdem würde ich vorab noch stärker prüfen, welche eSIM welche Dienste tatsächlich erreichbar macht. Nicht jeder Anbieter routet gleich, und nicht jede App verhält sich in China gleich zuverlässig.


Fazit

China ist für Reisende nicht unbedingt schwierig. Aber es ist anders.

Wer erwartet, mit Bargeld, spontaner Improvisation und ein paar Brocken Englisch durchzukommen, macht sich das Leben unnötig schwer. Wer dagegen Alipay, WeChat, DiDi, eSIM und VPN vorbereitet hat, kommt erstaunlich gut zurecht.

Shanghai wirkte auf mich effizient, digital und sichtbar verändert. Weniger Bargeld, mehr App. Weniger klassische Interaktion, mehr QR-Code. Weniger westliche Automarken, mehr chinesische E-Mobilität.

Das ist beeindruckend. Manchmal bequem. Manchmal etwas fremd.

Aber auf jeden Fall ein guter Hinweis darauf, wie Alltag aussehen kann, wenn das Smartphone nicht nur Begleiter ist, sondern Zugangsschlüssel für fast alles.