Ein kleiner Code am richtigen Ort spart erstaunlich viel Denkaufwand.
TL;DR
Mit einem QR-Code oder NFC-Tag am Verbrauchsartikel lässt sich ein Eintrag direkt in eine gemeinsame Apple-Erinnerungen-Einkaufsliste schreiben. Dafür reichen Apple Kurzbefehle und Apple Erinnerungen. Keine zusätzliche App, kein Cloud-Dienst, keine Smart-Home-Zentrale. Besonders praktisch ist die Kombination aus NFC-Tag und kleinem QR-Code daneben: NFC ist schnell, QR funktioniert fast überall. Technik, die genau eine Sache macht – und deshalb im Alltag tatsächlich benutzt wird.
Jeder kennt das Problem.
Die letzte Rolle Toilettenpapier wird angebrochen. Man denkt noch: „Da ist bestimmt noch genug da.“ Dann vergisst man den Einkaufseintrag. Drei Tage später sitzt jemand auf der Toilette und stellt fest, dass nur noch die Papprolle übrig ist.
Unschön. Pädagogisch wertvoll vielleicht. Aber unnötig.
Dabei liegt die Lösung direkt vor uns. Das Smartphone hat heute fast jeder ohnehin dabei. Mit einem QR-Code oder NFC-Tag am Verbrauchsartikel landet der passende Artikel mit einem einzigen Scan automatisch auf der gemeinsamen Einkaufsliste in Apple Erinnerungen.
Keine zusätzliche App. Keine Cloud-Dienste. Keine Smart-Home-Zentrale.
Nur Bordmittel von Apple.
Die Idee
Das Prinzip stammt ursprünglich aus Industrie und Logistik.
Sobald ein Mindestbestand erreicht wird, wird automatisch eine Nachbestellung ausgelöst. Im Haushalt muss es gar nicht so groß werden. Hier reicht ein kleiner manueller Auslöser genau an der Stelle, an der der Mangel sichtbar wird.
Benötigt werden:
- ein QR-Code oder NFC-Tag
- Apple Kurzbefehle
- eine gemeinsame Einkaufsliste in Apple Erinnerungen
Der Ablauf ist simpel:
- Die letzte Rolle Toilettenpapier wird angebrochen.
- QR-Code scannen oder NFC-Tag berühren.
- Toilettenpapier erscheint automatisch auf der Einkaufsliste.
- Fertig.
Was wird benötigt?
Hardware
- iPhone
- gemeinsame Einkaufsliste in Apple Erinnerungen
- optional NFC-Tags, zum Beispiel NTAG213 oder NTAG215
Kostenpunkt:
- QR-Code: kostenlos
- NFC-Tag: etwa 0,20 bis 0,50 € pro Stück
Software
- Apple Erinnerungen
- Apple Kurzbefehle
Beides ist bereits auf dem iPhone vorhanden.
Schritt 1: Gemeinsame Einkaufsliste anlegen
In Apple Erinnerungen wird zuerst eine neue Liste erstellt.
Name der Liste:
Einkaufsliste
Diese Liste wird anschließend mit den Familienmitgliedern geteilt.
Ab diesem Moment greifen alle auf dieselbe Einkaufsliste zu. Wer später einen QR-Code scannt oder einen NFC-Tag berührt, schreibt in diese gemeinsame Liste.
Schritt 2: Kurzbefehl erstellen
In Apple Kurzbefehle wird ein neuer Kurzbefehl angelegt.
Name des Kurzbefehls:
Einkauf
Der Kurzbefehl erwartet einen Text und legt diesen Text als neuen Eintrag in der Einkaufsliste an.
Die wichtigste Aktion ist:
Erinnerung hinzufügen
Einstellungen:
Titel: Kurzbefehleingabe
Liste: Einkaufsliste
Optional kann vorher noch eine Prüfung eingebaut werden:
Wenn keine Eingabe vorhanden
Das ist vor allem für spätere Fehlerbehandlung praktisch. Für den einfachen Start reicht aber der direkte Weg.
Schritt 3: QR-Code erstellen
Für Toilettenpapier wird folgende URL verwendet:
shortcuts://run-shortcut?name=Einkauf&input=text&text=Toilettenpapier
Für Küchenrolle:
shortcuts://run-shortcut?name=Einkauf&input=text&text=Kuechenrolle
Für Zahnpasta:
shortcuts://run-shortcut?name=Einkauf&input=text&text=Zahnpasta
Diese URL kann mit jedem QR-Code-Generator in einen QR-Code umgewandelt werden. Den QR-Code anschließend ausdrucken und am jeweiligen Lagerort befestigen.
Wichtig: Umlaute würde ich in solchen URLs vermeiden oder sauber URL-kodieren. Aus Küchenrolle wird zum Beispiel entweder Kuechenrolle oder URL-kodiert K%C3%BCchenrolle. Die einfache Variante ist im Alltag weniger fehleranfällig.
Schritt 4: NFC-Tags programmieren
Alternativ oder zusätzlich können NFC-Tags verwendet werden.
Auf dem iPhone:
- App Kurzbefehle öffnen
- Automation wählen
- neue persönliche Automation erstellen
- NFC auswählen
- Tag scannen
- als Aktion URL öffnen verwenden
Die URL ist dieselbe wie beim QR-Code:
shortcuts://run-shortcut?name=Einkauf&input=text&text=Toilettenpapier
Alternativ kann die URL direkt auf den NFC-Tag geschrieben werden.
Der Vorteil: Kein Öffnen der Kamera. Einfach das iPhone an den Tag halten.
Beispiele im Haushalt
Badezimmer
- Toilettenpapier
- Zahnpasta
- Duschgel
- Seife
Küche
- Küchenrolle
- Spülmaschinentabs
- Müllbeutel
- Kaffee
Haustiere
- Katzenfutter
- Katzenstreu
Waschküche
- Waschmittel
- Weichspüler
QR-Code oder NFC?
QR-Code
Vorteile:
- kostenlos
- funktioniert auf nahezu jedem Smartphone
- einfach zu drucken
- gut sichtbar und verständlich
Nachteile:
- Kamera oder Code-Scanner muss geöffnet werden
- der Code muss sichtbar angebracht sein
NFC
Vorteile:
- schneller
- kein Scannen mit der Kamera erforderlich
- sehr komfortabel im Alltag
- Tag kann unauffällig platziert werden
Nachteile:
- NFC-Tags kosten Geld
- nicht jedes Gerät unterstützt alle NFC-Funktionen gleich gut
- Besucher wissen nicht automatisch, was der Tag macht
Meine Empfehlung
Einfach beides kombinieren.
Neben jeden NFC-Tag kommt ein kleiner QR-Code. Damit funktionieren:
- iPhones
- Android-Geräte
- Gäste
- ältere Smartphones
- Menschen, die NFC grundsätzlich für schwarze Magie halten
Der Nutzer entscheidet selbst, was bequemer ist.
Praktisch ist auch eine kleine Beschriftung neben dem Code:
Scannen, wenn fast leer
Oder etwas direkter:
Letzte Rolle? Scan mich.
Datenschutz und Abhängigkeiten
Der Charme dieser Lösung ist, dass sie sehr wenig braucht.
Es wird kein zusätzlicher Dienst eingebunden. Es gibt keinen fremden Account, keine neue App und keine Smart-Home-Zentrale, die dauerhaft laufen muss. Der Kurzbefehl schreibt einfach einen Text in eine Apple-Erinnerungen-Liste.
Natürlich ist Apple Erinnerungen selbst ein Apple-Dienst, besonders wenn die Liste geteilt wird. Aber innerhalb eines ohnehin genutzten Apple-Haushalts bleibt die Lösung angenehm überschaubar.
Grenzen der Lösung
Ganz automatisch ist das System nicht.
Jemand muss den Code scannen oder den NFC-Tag berühren. Wenn die letzte Rolle angebrochen wird und niemand den Scan ausführt, steht der Eintrag auch nicht auf der Liste.
Das klingt banal, ist aber wichtig: Die Technik ersetzt nicht die Handlung. Sie macht die Handlung nur so einfach, dass man sie eher macht.
Und genau das ist der Punkt.
Fazit
Viele Smart-Home-Projekte scheitern daran, dass sie zu kompliziert sind.
Dieses System macht genau eine Sache:
Einen Artikel auf die Einkaufsliste setzen.
Mehr nicht.
Gerade deshalb funktioniert es. Ein Scan. Ein Eintrag. Kein Nachdenken.
Und die Wahrscheinlichkeit, dass das Toilettenpapier ausgeht, sinkt dramatisch. Zumindest bis jemand vergisst, den Code zu scannen.
Das kann auch die beste Technik nicht verhindern.